Erfahrungsbericht II

Baikoro

Montag, 25.05.2009, Afrikatag in Mali. Wir erhalten den ersehnten Anruf. Das, was bis jetzt nur ein Traum war, das, was wir nicht hatten greifen können, wird nun Realität. Als wir am nächsten Tag nach Augsburg fahren, können wir es immer noch nicht fassen. Wir erhalten den Kindervorschlag: Ein Junge, 4 Monate alt. Schon jetzt können wir es kaum erwarten, den kleinen Schatz zu sehen. Als wir nach knapp zwei Wochen das erste Mal nach Mali fliegen, sind wir sehr aufgeregt. Wir kommen abends in Bamako an, und werden wie vereinbart vom Hotel-Shuttle abgeholt. Es ist sehr warm abends um ca. 21.00 Uhr. Das über das Internet gebuchte Hotel Mande ist in Ordnung, wenn auch etwas vernachlässigt worden die letzten Jahre. Wir werden im Hotel freundlich empfangen und in unser Zimmer geführt. Da der Abend sehr mild ist, setzen wir uns noch auf die Aussenterrasse des Restaurants. Am nächsten Tag, ein Sonntag, werden wir im Hotel von einem Guide angesprochen, der uns eine Rundfahrt anbietet. Da wir noch einen Tag Zeit haben, bevor wir am nächsten Tag ins Kinderheim gehen, haben wir eine kleine Stadtrundfahrt gemacht, Bamako von einem Hügel aus betrachtet, das Nationalmuseum und einen Markt besucht. Wir waren sehr beeindruckt von der Stadt, den Menschen, dem Markt … Unser Guide hat uns viel erzählt. Es gibt viele Bettler, auch Kinder, und als Weiße wird man ständig angesprochen. Es tut weh, nicht allen etwas geben zu können. Die meisten Straßen und Häuser sind sehr einfach, der Verkehr ist chaotisch, doch irgendwie funktioniert alles. Und vielen Menschen sieht man die Armut nicht unbedingt an, die vielen bunten Kleider geben ein eher freundliches und farbenfrohes Bild ab. Die Menschen an sich strahlen meist eine Zufriedenheit und Offenheit aus, die man bei uns selten antrifft. Wir haben uns in Mali verliebt.

Am nächsten Tag gehen wir mit Zeina Kouyate zum Kinderheim. Nach ca. einer Viertelstunde Wartezeit im Vorzimmer der Leiterin kommt plötzlich ein Kindermädchen mit einem Baby auf dem Arm herein. Ehe wir registrieren, daß es Baïkoro ist, habe ich ihn schon auf dem Arm. Wir sind überwältigt und können unser Glück kaum fassen. Wir dürfen noch ca. 3 Stunden mit ihm zusammen sein. Er ist auf dem Arm von meinem Mann eingeschlafen, und hat dort mind. 1 Stunde geschlafen. Er sieht so zufrieden aus, wir freuen uns sehr. Danach haben wir ihm in seinem Zimmer, das er mit vier anderen Kindern teilt, ein Fläschchen gegeben, ehe wir schweren Herzens gehen mussten.

Wir halten uns noch zwei Tage in Bamako auf und nutzen die Zeit, das Land besser kennenzulernen. Denn diese Zeit werden wir bei unserem zweiten Aufenthalt nicht mehr haben. Wir haben noch zwei Touren unternommen, eine davon hat uns aus Bamako hinausgeführt nach Siby. Von dort aus besuchten wir Felsformationen und Opferstätten. Wir wanderten einen Berg hinauf zu einer Grotte und besuchten anschließend ein Bauerndorf in der Nähe von Siby. Der Ausflug in das Dorf war unbeschreiblich, die Kinder, die wirklich nicht viel haben, waren sehr fröhlich und aufgeweckt. Ein alter Mann, der gerade Erdnüsse schälte, hat unsere Tasche mit Erdnüssen gefüllt. Die Frauen wollten, daß ich versuche, Mellet zu stampfen, was ich natürlich nicht so gut konnte wie sie. Die Dorfbewohner, die unter einfachsten Bedingungen leben, waren alle sehr offen und nett. So haben wir weitere wertvolle Eindrücke gewonnen, um unserem Kind später viel erzählen zu können.

Nach ca. 10 Tagen sind wir zum zweiten Mal nach Mali geflogen. Diesmal sind wir im Hotel La Chaumiere (sehr zu empfehlen). Wir können es kaum erwarten, unseren Baïkoro wieder zu sehen. An den ersten zwei Tagen durften wir ihn ca. 2-3 Stunden besuchen. Beim ersten Besuch werden wir diesmal im Kinderheim von den älteren Kindern umringt und belagert und haben Mühe, dass sie uns mit unserem Kleinen alleine lassen. Baïkoro ist so ein zufriedenes, munteres Kerlchen, hat aber mal wieder die meiste Zeit geschlafen. Wir hatten noch das große Glück, viele Informationen über die Geschichte von Baïkoro zu erhalten, welche wir ihm später erzählen können. Am dritten Tag haben wir das Visum bei der Botschaft beantragt, und sind anschließend wieder ins Kinderheim, um Baïkoro endlich abzuholen. Wir haben uns von den Kindermädchen verabschiedet, die sich sehr liebevoll um die Kinder kümmern. Von dem Kinderheim haben wir einen sehr guten Eindruck, die Kinder haben viel Platz und werden gut umsorgt. Von den Kindermädchen haben wir Fotos gemacht und die Namen notiert.

An dieser Stelle möchten wir noch erwähnen, dass wir während des gesamt Ablaufs von Eltern für Afrika, besonders von Susanne Fuchs, sehr gut betreut wurden. Und die Aufenthalte in Bamako wären ohne Unterstützung von Zeina Kouyate nicht so angenehm verlaufen, sie hat uns in vielen Situationen sehr geholfen.

Zwei Tage später sind wir mit Baïkoro nochmal zur Botschaft, und haben am selben Tag das Visum erhalten. Wir haben uns noch ein paar Tage in Bamako aufgehalten, um uns an unseren Jungen zu gewöhnen und er sich an uns, bevor wir den Rückflug antraten. Wir wollten dem Kleinen auch nicht zu viel Veränderung auf einmal zumuten. Die meiste Zeit haben wir dann im Hotel verbracht, da er noch so klein ist. Und überall, wo wir Weisse mit dem afrikanischen Baby erschienen sind (im Hotel, im Restaurant, am Flughafen ...), wurden wir beglückwünscht, und hatten den Eindruck, dass die Adoption bei den Maliern sehr positiv aufgenommen wird.

Nun sind wir wieder zu Hause und sehr glücklich, unser Schatz macht uns viel Freude. Es ist unbeschreiblich schön, ein im Schlaf lächelndes Kindergesicht zu sehen. Und wenn er mal nicht schläft, ist er munter und zufrieden. Wir hoffen, dass dies so bleibt, dass er hier bei uns glücklich wird.