Erfahrungsbericht I

Fatoumata

Am 08.12.09 ist es endlich soweit. Unser persönlich schönstes und einzigartigstes Weihnachtsgeschenk wird uns präsentiert – unser Kindervorschlag.

Wir können es gar nicht fassen und doch überrollt uns erstmal die Organisation. Dann am 16.12.09 waren wir schon auf dem Weg nach Mali. Schon auf dem Flug konnten wir die vielen schön gekleideten und hübschen Menschen bestaunen. Die Mütter hatten ihre Kinder typisch auf den Rücken gebunden und alle waren offen und freundlich. Die afrikanische Mentalität wurde schon spürbar. Dann in Bamako gelandet wurden wir von der Mentalität überrollt. Viele Menschen, viel Durcheinander, viele bunte Farben und nebst vielen heftigen Diskussionen viel Herzlichkeit, aber auch ‚dicke Luft’, Abgase und Staub. Wir wurden erwartet und zu unserem Hotel gebracht, wo wir erschöpft von den Eindrücken schnell schliefen. Das Hotel ‚Le Relais’ ist recht einfach und nur bedingt zu empfehlen. Kaum angekommen hat uns Zeina schon kontaktiert, um uns telefonisch in Bamako willkommen zu heißen.

Am nächsten Tag wurden wir von Zeina und einer Familie, die in der Anbahnungsphase steckten, abgeholt und zum Kinderheim gebracht. Der Weg war schon sehr spannend, weil der Verkehr gigantisch ist und man stets das Gefühl hat nirgendwo heil anzukommen. Aber sicher hat uns Zeina durch den Verkehr zum Kinderheim gebracht. Dort angekommen stieg die Spannung und so warteten wir keine 10 Minuten im Büro der Leiterin, als schon 2 Nannys mit 2 kleinen Kindern hereinkamen. Wir waren über die Größe der Kleinen erstaunt und bevor wir uns versahen, hatten wir unsere Tochter auf dem Arm. Sie war wach und neugierig, aber auch noch recht skeptisch. Das beste Zeichen war, dass sie nach einer kurzen Orientierung erstmal eine Runde schlief. So begutachteten wir sie und waren selig. Wir konnten es noch gar nicht glauben, dass wir nun unsere Tochter in den Armen hielten. Dann wurden wir in einen anderen Raum geleitet, wo wir einfach mehr Ruhe hatten. Nach ca. 30 min. wachte unsere Tochter auf und schaute wieder neugierig in die Welt. Sie bestaunte uns, sie bestaunte das Geschehen um sie herum und kam gar nicht zur Ruhe. Nach und nach hatten wir das Gefühl, dass sie sich wohler fühlte und ein wenig relaxte. Dabei schien sie sich unsere Gesichter einzuprägen. Wir machten einige Fotos und hatten alle miteinander viel Spass. Leider verging die Zeit zu rasch und Fatoumata wurde bereits durch soviel Input müde. Aber nicht nur sie. Nachdem wir sie nur schweren Herzens zurückgelassen haben, holten auch wir unseren Schlaf nach, nachdem wir die Nacht sehr schlecht geschlafen hatten.

Am anderen Tag unterzeichneten wir den Adoptionsvertrag und nachmittags besuchten wir einen Kunsthandwerkermarkt, weil wir gerne für unsere Tochter eine Holzfigur erstehen wollten, die für sie Stellvertreter ihrer leiblichen Eltern sein sollten. Denn wir sind sehr dankbar, dass, dadurch das die leibliche Mutter ihr Kind ‚abgegeben’ hat, uns ermöglicht wird, sie in unserer Familie willkommen zu heißen.

Am Samstag haben wir eine organisierte Tour nach Siby gemacht. Wir hatten einen sehr netten Fahrer, der vom Stamme der Touareg ist. Leider gab es einige Verständigungsschwierigkeiten, da unser Französisch sehr dürftig und unsicher ist und Englisch hier kaum verbreitet ist. Wir haben uns so gut es geht ausgetauscht und er konnte uns viel zeigen. In Siby an sich, gab es nicht soviel interessantes. Die Felsformation und der Ausblick waren ganz schön und der Wasserfall war ok, nur der Weg dahin war extrem unbequem. Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. Der Fahrer hat uns aber den Mund wässrig gemacht, da er seine Heimat- das Dogon-Tal traumhaft beschrieben hat. Gerne würden wir dieses kennenlernen und vielleicht ergibt sich ja noch eine Gelegenheit dazu. In Bamako aber war der Besuch des Nationalmuseums sehr interessant und so endete der Tag mit einer bombigen Aussicht über Bamako vom Hügel des Krankenhauses aus.

Am Sonntag nacht flogen wir zurück und als wir am Montag in München landeten erfuhren wir, dass wir gerichtlich nun schon Eltern seien. Das war schnell und überraschend und somit ein weiteres Vorweihnachtsgeschenk.

Zwei Wochen später flogen wir nun als Eltern erneut nach Bamako. Diesmal war unsere Unterkunft, das Hotel ‚La Coccinelle’ perfekt geplant und sehr angenehm. Auch hier wurden wir von Zeina nach unserer Ankunft telefonisch begrüsst. Am nächsten Tag würde sie uns abholen, um zum Heim zu fahren. Doch es kam etwas anders. Es hatte im Kinderheim Anfang des Jahres durch elektrische Probleme gebrannt und so mussten die Kinder in einem anderem Heim untergebracht werden. Es ist niemandem etwas passiert, nur Schaden war angerichtet. So musste unsere Tochter erst zum Kinderheim ‚La Pouponniere’ gebracht werden. Dort angekommen herrschte ein rechter Trubel, da mit uns noch drei andere Paare aus Frankreich ihre Kinder abholten. Auch waren die Räumlichkeiten noch evakuiert. Wir erfuhren, dass wir unsere Tochter aufgrund der Zwischenlösung mit der Unterbringung direkt mitnehmen können. Wir waren etwas überrascht aber auch hocherfreut. Leider konnten wir keine Fotos von Nannys und den Räumlichkeiten machen, da diese im anderen Heim waren. Aber immerhin konnten wir ein schönes Foto von Fatoumata mit der Heimleiterin machen. Unser kleiner Schatz schlief erst eine Runde und ließ sich vom umgebenden Chaos nicht beeindrucken. Als wir sie in das Tragetuch umlagerten wachte sie auf, schien aber recht zufrieden uns wiederzusehen. All dass, was wir dann organisieren mussten brachte sie nicht aus der Ruhe. Sie schaute immer wieder interessiert uns beide an, war guter Dinge und zufrieden. Unterwegs bekam sie Hunger, was aufgrund der Vorbereitungen kein Problem war- weder für sie noch für uns. Auch als wir endlich im Hotel ankamen, dachte sie nicht ans schlafen. War doch alles so neu und aufregend. Erst abends nach einer großen Milchmahlzeit entspannte sie und schlief selig ein. Hatte sich doch für sie ihre ganze kleine Welt geändert.

Die Zeit verging, Fatoumata lachte viel, gewöhnte sich super schnell an die neuen Umstände. Nur, womit wir nicht gerechnet hatten, waren die Ernährungsschwierigkeiten. Fatoumata hatte immer und alle 2-3 Stunden Hunger. Obwohl ich mich beruflich in der Kinderpflege auskenne- das hatte ich noch nicht erlebt. Anfangs liess sie sich noch durch Wassergaben ablenken, aber nach dem 2. Tag war auch das vorbei. Sie wollte nur noch essen- vor allem nachts. Das hat uns sehr verunsichert. Nach einigen Tagen wurde es etwas besser und wir denken, dass Fatoumata so ihre ganzen Umstellungen verarbeitete. Wir waren froh als sich alles ein wenig eingespielt hat.

In der Botschaft lief aufgrund der guten Vorbereitungen durch Zeina alles gut. Während unserer Zeit in Mali sind wir schon richtig gut zusammengewachsen. Nun warten wir gespannt, wie Fatoumata der deutsche Winter gefällt, der gerade sehr sehr kalt ist (-10 C).