Reisebericht I

Mora Mora

Lange haben wir überlegt, wie und wann wir nach Madagaskar reisen sollen. Von vielen Seiten wurden uns Rundreisen empfohlen,- doch diese dauern im Durchschnitt 15 Tage und uns war klar, dass wir uns höchstens 2 Wochen Urlaub frei schaufeln können. Nach langem hin und her beschlossen wir, es auf unsere Weise zu machen. So buchten wir Flug und Hotel in Tana und den Rest wollten wir vor Ort planen. Denn dies sollte kein gewöhnlicher Urlaub werden, sondern die Reise in das Land unseres Kindes und dieses wollten wir für uns entdecken, allein, nicht mit einer Reisegruppe. Jeder muss selbst wissen, was er sehen will und wie er/ sie Madagaskar erleben will - wir können nach unserer Rückkehr sagen, dass wir Madagaskar so entdeckt haben, wie es für uns richtig war. Wir haben durch unser Hotel vor Ort einen einheimischen Fahrer vermittelt bekommen, der uns überall hinfuhr und sehr viel erklärt hat. Durch Gerald haben wir viel über Madagaskar erfahren und viele Orte entdeckt, die wir sonst nie besucht hätten.Wir wollen Euch die Orte vorstellen, die wir besucht haben:

Die ersten Tage entdeckten wir Tana, erst zu Fuß, dann mit Auto (mit Fahrer). Diese Stadt sprüht nur so vor Leben, überall sind Menschen und Märkte. Es riecht nach Gewürzen, nach Abgasen und teilweise nach Fisch. Wir wurden von dem bunten Treiben mitgerissen. Auf den Märkten gibt es alles zu kaufen, von frischen Lebensmitteln (vor allem Obst und Gemüse) bis zu Elektrogeräten. Wir liefen von dem Gare de Tananarive (Hauptbahnhof) die Avenue l'Independace- die ehemalige Prachtstraße- entlang, an vielen schönen Häusern vorbei und viele Stufen hinauf (Tana ist auf 12 Hügeln gebaut) bis zum Lac Anosy. Dies ist ein malerischer See mitten in der Stadt, in seiner Mitte steht ein Kriegerdenkmal. Um dem See herum herrscht große Armut. Hier wurde sie für uns das erste Mal komplett greifbar. Straßenkinder, die nach Essen betteln, Plastikzelte als Unterkünfte und sehr viel Müll. Dennoch würden wir nicht belästigt oder bedroht, wir würden kaum beachtet. Dies war auf unserer ganzen Reise so, egal wo wir waren, wir fühlten uns sehr sicher. Wer die Hauptstadt besucht darf sich den Königinnenpalast Rova nicht entgehen lassen. Der Palast ist auf einem Hügel erbaut und der Blick über die Stadt ist fantastisch. Man muss einen Guide nehmen, da 1995 der Palast niederbrannte und nun verstärkt auf Sicherheit geachtet wird. Dies ist aber von Vorteil. Wir erfuhren von unserem Guide mehr über die Geschichte Madagaskars, als unser Reiseführer uns verraten hätte.

Wer mehr über Piratengeschichte auf Madagaskar erfahren will, muss ins Piratenmuseum. Dieses ist in der Nähe der Avenue l' Independace. Die Führungen sind auf deutsch und sehr spannend. Ein Idyll in der Hektik der Stadt ist der zoologische - botanische Garten Tsimbazaza. Dieser Park wird von Einheimischen als Picknick - Platz verwendet und man sah überall lachende und spielende Kinder. Es gibt kleine Fahrgeschäfte und Süßigkeitenstände dort. Es war so schön, diese Leichtigkeit zu entdecken, in dieser doch recht hektischen Stadt.
Um Tiere zu sehen empfehlen wir eher den Lemurenpark, etwas außerhalb von Tana. Dort leben die Tiere frei und laufen einem wirklich vor die Füße. Wir haben dort viel über Lemuren und ihren natürlichen Lebensraum gelernt - für Kinder muss es ein Paradies sein. Ebenso toll ist die Croc Farm in der Nähe des Flughafens. Dort kann man Reptilien und Amphibien, die in Madagaskar endemisch sind, bewundern. Die Fütterung der Krokodile ist sehr beeindruckend. Nordöstlich von Tana liegt Ambohimanga- der blaue Hügel. Dort steht ein UNESCO Weltkulturerbe. Der ehemalige Königssitz der Merina. Dort atmet man Geschichte ein, sieht wie die Könige und Königinnen lebten und man bekommt einen Eindruck wie stolz die Madagassen auf ihre Kultur sind. Es wird alles gepflegt und jeder Museumswärter weiß etwas über die Geschichte dieses Ortes zu berichten.

Doch nicht nur die Geschichte Madagaskars ist beeindruckend, auch die Natur. Sobald wir Tana mit dem Auto verlassen haben, änderte sich die Landschaft. Reisfelder erstrecken sich weit über das Land, dann werden die Reisfelder von Tonfeldern ersetzt, teilweise kommen trockene Gebiete vor, die wie Steppe wirken. Genauso abwechslungsreich wie die Bevölkerung ist die Landschaft Madagaskars.

Wir waren am Gesyir von Andranomandraotra in der Nähe von Ampefy. Ein wunderschönes, fast surreales Schauspiel. Als wir die holprige und kaum befahrbare Straße hinter uns gelassen hatten, wußten wir: Der Weg hat sich gelohnt! Ebenso die Lilly Wasserfälle sind ein wunderschönes Naturschauspiel. Auch in der Nähe von Ampefy, ein Naherholungsgebiet der Madagassen, da es am Vulkansee Itasy liegt - einfach idyllisch.

Wer Natur pur erleben will, muss in einen der Nationalparks gehen. Wir waren im Andasibe - Mantadia -Nationalpark. Dieser ist Ca 3 Stunden von Tana entfernt, doch auch dieser Weg lohnt sich. Wir haben die Eindrücke von Landschaft und den Menschen förmlich eingesaugt. Wir waren über 3 Stunden im Nationalpark mit unserem Guide unterwegs. Sahen viele Lemuren, den Giraffenhalskäfer und andere endemische Tiere und wir sahen, wie der Regenwald auf Madagaskar aussieht und was passiert, wenn dieser weiter abgeholzt wird.

Doch neben den Sehenswürdigkeiten und Naturschauspielen auf Madagaskar sind es vor allem die Menschen, die uns beeindruckt haben. Trotz der Hektik der Stadt strahlen die Einwohner so viel Ruhe und Würde aus - egal wie arm sie erscheinen mögen. Sie leben das Motto des Landes: "Mora Mora". Das heißt "langsam, langsam" und spricht für eine innere Ruhe, die scheinbar viele Madagassen verinnerlicht haben. Sie sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Wenn unser französisch nicht gereicht hat, wurde mit Händen und Füßen ein Weg beschrieben. Wir sahen kaum bettelnde Menschen - außer in der Innenstadt von Tana, wo die meisten Touristen zu finden sind. Sonst suchen Madagassen förmlich nach Arbeit, zerkleinern Steine am Straßenrand oder verkaufen Nüsse. Viele Kinder sieht man auch, die arbeiten ihre jüngeren Geschwister auf ihrem Rücken tragend. Jeder muss anpacken, damit die Familie überlebt. Wichtig ist wohl für alle, dass man kaum mit Kreditkarte zahlen kann, vor allem nicht mit Mastercard, es wird Visa bevorzugt. Geld abheben mit Kreditkarte geht nur am Automaten, nicht in Banken. Doch teilweise sind die Automaten nicht befüllt. Wir liefen an einem Tag fast 3 Stunden durch Tana, bis wir einen funktionierenden Geldautomaten fanden. Es ist gut genug Bargeld mit sich zu führen. Geld wechseln kann man in jeder Bank und den besten Kurs gab es bei uns am Flughafen.

Es gibt in Tana viele Supermärkte, in denen es alles zu kaufen gibt, was man zum Leben braucht. Ebenso gibt es mehrere Shopping Center, in unserer Nähe gab es gleich zwei (Diplomatenviertel). Dort gab es viele kleine Restaurants, in denen es Essen aus aller Welt gibt, ebenso in der Innenstadt von Tana. Essen gibt es prinzipiell relativ günstig, jedoch Dinge des täglichen Bedarfs sind teilweise genauso teuer wie bei uns. Obst und Gemüse sind sehr günstig - vor allem auf dem Markt.

Wir empfehlen als Ruheoase das "Café de la Gare"- es ist am Hauptbahnhof und hat einen wunderschönen Garten und sonntags gibt es Livemusik und Brunch. Sonst können wir nur empfehlen das madagassische Essen zu probieren. Dieses ist sehr vielseitig. Das einzige Problem ist, dass es kaum vegetarische Speisen gibt, doch auf Nachfrage wird oft etwas vegetarisches gezaubert.

Wenn ihr Andenken, Gewürze oder ähnliches sucht, müsst ihr einen der Kunsthandwerkmärkte am Stadtrand aufsuchen. Einer ist in der Nähe des Flughafens. Sicher fährt jeder Taxifahrer dort hin. Wichtig: Preis vor Fahrt verhandeln- zur Not schreibt den Preis auf, das vermeidet Missverständnisse. Eine Fahrt mit dem Taxi ist ein Abenteuer - mit einer alten Ente durch den madagassischen Verkehr. Spätestens dann erkennt jeder, warum empfohlen wird als Tourist nicht selbst zu fahren.

Und zum Abschluss noch ein Hinweis: lernt fleißig französisch, denn ganz ohne klappt es nicht. Mit Englisch kommt man kaum durch und die meisten Hinweise sind auf Madagassi oder Französisch geschrieben.

Wir freuen uns schon sehr auf unsere nächste Reise nach Madagaskar- wir haben diese Insel in unser Herz geschlossen. Wir vermissen jetzt schon mit "Salut, Vazaha" begrüßt zu werden. Dies riefen uns die Kinder auf der Straße immer zu. Das heißt so viel wie " sei gegrüßt, Fremder/ Weißer".