Erfahrungsbericht II

Teil II. Pole Pole oder wer langsam geht kommt weit...

Die Zeit rennt und langsam machen wir uns Gedanken über Weihnachten unter Palmen. Wir sind nun schon 8 Monate in Kenia, haben uns eingelebt und angepasst. Haben Freunde gefunden, Kontakte geknüpft und vieles über das Geburtsland unseres Sohnes gelernt. Wir  genießen den Alltag hier als Familie in vollen Zügen. Palmen, Sonne, Meer und Strand, das volle Programm. Wir haben unseren Rhythmus gefunden und kommen sehr gut klar. Hin und wieder bekommen wir Besuch aus Deutschland und natürlich unternehmen wir ein paar Safaris in die Nationalparks, das gehört selbstverständlich dazu.

Das EfA Village ist unsere 2. Heimat geworden. Die Mitarbeiter betreuen und umsorgen uns, werden ein Teil unserer Familie. In Augsburg hat man immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen, auch wenn wir uns auf einem anderen Kontinent befinden.

Unser Sohn, inzwischen 2,5 Jahre alt,  entwickelt sich prächtig und wir sind so sehr glücklich und froh mit ihm. Es fühlt sich so an als wäre er immer schon bei uns! Ein Sonnenschein, ein erfüllter Traum, ein Teil unseres Herzens...

Der Adoptionsprozess neigt sich langsam dem Ende, ob Überprüfung durch die verschiedenen Behörden hier vor Ort, der erste Gerichtstermin, all das  läuft gut und auch die Anwältin ist sehr freundlich und zuverlässig, so fühlen wir uns jederzeit gut betreut. Nun steht der letzte Gerichtstermin an.

Am großen Tag stehen wir gestriegelt und gebügelt, pünktlich um 9 Uhr vor dem Gerichtssaal in Nairobi. Die Schlange vor dem Saal des Familiengerichts ist lang, der Gang ist gefüllt mit etlichen Adoptivfamilien  aus dem In- und Ausland. Der Lärmpegel ist dem entsprechend, Kinderkreischen, aufgeregtes Gemurmel und die hallenden Schritte der Stöckelschuhe. Wir sind aufgeregt, denn es entscheidet sich heute wie lange wir noch in Kenia sein werden und ob die Adoption bewilligt wird. Das kalte, flackernde Neonlicht, die mürrischen Gesichter der Richter und die Willkür, die in der Luft liegt, unterstützt unsere angespannte Stimmung. Inzwischen hat sich der Gang gelehrt, unsere Anwältin und die Sozialarbeiterin, unser Guardian und die Dame vom Childrens Department sitzen mit müden Augen auf einer Bank und tippen lethargisch auf ihren Handys herum. Nach 3,5 Stunden warten werden wir endlich in den Saal gerufen. Gott sei Dank, denn das Unterhaltungsprogram, mit Büchern und Seifenblasen, ist nicht mehr interessant für unser Kind. Wir sind die letzte Familie für heute.  Es ist 12.30 Uhr als wir mit einer ehrfurchtsvollen Verbeugung den Saal betreten. Unser Sohn bekommt sogleich einen Keks von uns in die Hand gedrückt, damit er nicht auf ein paar lustige Gedanken kommt. Der Richter, begrüßt uns mit einem Lächeln und fragt den Kleinen wie er denn heißt. Unser Knirps antwortet brav, wie süß! Nun folgen alle Informationen über uns und das Kind, die unsere Anwältin, immer leicht gebeugt und „My Lord“ sagend, vorträgt. Der Richter stimmt der Adoption zu und verspricht in 2 Wochen das Urteil zu sprechen, das macht dann die Anwältin alleine und wir müssen nicht anwesend sein. Wir sind begeistert und verbeugen uns zum Abschied gleich mehrmals. Juhuu! Jetzt ist es bald geschafft. Alle Beteiligten gratulieren uns und sind ebenso erleichtert wie wir.

Doch das Warten nimmer noch lange kein Ende, die Urteilsverkündung wird kurzfristig verschoben. Wir warten also weiter auf unser Happy End!

Mit all diesen Dingen muss man in Kenia rechnen und es überrascht uns nicht wirklich. In Afrika ist eben alles möglich, aber eben auch plötzlich unmöglich. So versuchen wir es mit Positiv Denken und Wünsche an das Universum...wird schon gut gehen, denn viel kann ja eigentlich nicht mehr kommen...

Teil 3 folgt... :o)