Erfahrungsbericht I

Teil I. Das Glück kommt zu denen die es erwarten, man muss nur die Türe offen halten…

Vögel zwitschern, auf dem Nachbargrundstück singt eine Afrikanerin und die Hängematte schaukelt sachte im Wind…ich komme mir vor wie in einem Film, alles erscheint so unwirklich, es ist mitten in der Woche und normalerweise wäre ich in der Arbeit. Es scheint wie eine Ewigkeit, all das ist so weit weg von diesem neuen Leben hier.... Knapp1 Jahr sind wir insgesamt auf dem afrikanischen Kontinent bereits getourt, viele Länder haben wir erkundet, doch diesmal ist es eine ganz besondere Reise die wir erleben, eine Reise aus der wir als Familie zurück kehren werden.... Ich versuche den Augenblick aufzusaugen, festzuhalten, einfach zu genießen. Unser Sohn macht gerade seinen Mittagsschlaf. Nackt liegt er auf der kleinen Matratze auf der Terrasse, den Hintern in die Luft gestreckt, Schweißperlen auf der Stirn und den Daumen im Mund. Er ist so schön…

Am 2. März 2012 ruft Frau Marz an. Der Kindervorschlag ist da! 12 Tage später reisen wir ab. Unser Sohn wartet in Kenia auf uns. Nach einem angenehmen Flug über London kommen wir in Nairobi an, werden herzlich in Empfang genommen und zum Appartement gebracht. Gleich am nächsten Morgen fahren wir nach einer kurzen Besprechung in der Adoption Society ins Kinderheim wo wir nun endlich unseren Sohn kennen lernen dürfen.Das Heim wird von einem britischen Ehepaar geführt und ist sehr gepflegt und gut organisiert. Es liegt nahe an unserer Wohnung und so können wir in den nächsten Tagen auch zu Fuß hin gehen.Wir werden in einen Gruppenraum geführt. Spielsachen und Fernseher, Hochsitze und kleine Plastikstühle, Rattanmöbel und bunte Bilder an den Wänden und große Fenster. All das macht einen sympathischen ersten Eindruck.Und nun ist er da, der große Moment. Der kleine Mann kommt ums Eck geflitzt, sagt „Mama“und „Papa“, nimmt unsere Hände und schwups ist er auch schon wieder verschwunden. Doch die Nannys animieren ihn sich zu mir zu setzen, was er auch tut. Nun haben wir es uns auf dem Boden bequem gemacht und im Nu schläft er selig bei mir auf dem Schoß ein. Plötzlich spüre ich etwas warmes feuchtes am Bein herunter laufen..ohje, er ist wohl ziemlich entspannt…

Die Betreuerinnen sind sehr fröhliche, laute und bestimmte Damen die unseren Sohn sehr gut auf uns vorbereitet haben. In seinem Bettchen finden wir ein ausgedrucktes Bild von uns, auf dem er, so wie es scheint, schon geschlafen hat, und auch über dem Bett hängt ein Foto von uns. Wie schön! Nach der Anbahnung von 2 Tagen ist es dann schon soweit und wir verbringen die erste Nacht mit unserem Sohn in der Wohnung. Etwas unruhig aber schön, endlich sind wir eine Familie! Am Tag darauf veranstalten wir noch eine Abschiedsparty im Heim. Am Schluss singen die Nannys mit den Kindern noch ein Abschiedslied und mir stehen die Tränen in den Augen als alle „bye-bye“ rufen und uns nachwinken.

Ja, das ist nun alles schon 2 Monate her. Wir haben uns im EfA -Village in Kinondo, am indischen Ozean, sofort wohl gefühlt. Wir lassen es uns gut gehen und genießen in vollen Zügen nun endlich Eltern zu sein. Und wie unkompliziert doch alles ist! Wir leben hier den Alltag einer kleinen Familie in traumhafter Atmosphäre. Sonne, Strand und Meer, das besondere Lebensgefühl, aber auch die typischen afrikanischen Umstände, einfach alles ist ganz nach unserem Geschmack. Wir empfinden es besonders schön dass wir beide die komplette Zeit hier in Kenia verbringen können. Unsere Sohn entwickelt sich prächtig, macht von Tag zu Tag Fortschritte und wir sind glücklich das alles hier in Ruhe, ohne deutschen Alltag, genießen zu können. Wir erleben diese Zeit zu dritt als sehr angenehm und können uns so ganz und gar dem kleinen Mann widmen.

Die Regenzeit steht an, es ist drückend und schwül, graue Wolken ziehen am Himmel umher, wollen sich aber noch nicht entladen. Wir sind gespannt wie es wird, alle „warnen“ uns schon vor diesen Monaten mit dem vielen Regen. Ich glaube die denken wir haben Angst vor Regen…naja, wir haben in Deutschland doch auch öfter mal „Regenzeit“,oder?

Hin und wieder bekommen wir „Besuch“. Die ersten 3 Monate sind die „Pflegezeit“ die wir hier verbringen. Wir werden von verschiedenen Stellen und Behörden überprüft, ob wie unsere Sache als Eltern gut machen. Eine Sozialarbeiterin war schon da, wird aber noch ein paar Mal kommen. Und auch aus Nairobi von der Vermittlungsstelle war eine Mitarbeiterin hier. Die Gespräch verlaufen angenehm und entspannt. Und bald sind die 3 Monate vorbei. Dann beginnen die Gerichtstermine.

Es ist eine ganz besondere Zeit und noch haben wir viele Wochen, vielleicht auch Monate, vor uns. Eine Zeit voller Freude mit unserem kleinen Sohn und Eindrücke und Erfahrungen aus seinem Geburtsland in das wir sicher immer wieder zurück kehren werden...