Erfahrungsbericht XII

Liebe Frau Marz,

meine Name ist Amam und ich möchte Dir von meiner spannenden Reise in eine neue Welt erzählen.

Mama und Papa hatten Anfang Juni in Addis Ababa einen Gerichtstermin und haben mich an diesem Tag mit der Hilfe von „Eltern für Afrika“ adoptiert.

Danach haben mich beide drei Tage lang für ein erstes Kennenlernen jeweils 2 bis 3 Stunden besucht. Ich war am ersten Tag sehr sehr sehr aufgeregt, weil ich meine Nannys sehr lieb habe und ich wenig Lust hatte auf eine Veränderung. Denn 15 Spielkameraden auf einem Stockwerk ist ein sehr wichtiger Punkt für mich, neben den sehr lieben Nannys.

Nachdem ich am vierten Tag zu Mama vertrauen gefunden hatte, durfte ich mit Mama und Papa am Samstag einen halben Tag und am Sonntag einen ganzen Tag mit zu ihnen ins „Guesthouse“ fahren.

Ich kann Dir sagen, es ist viel viel mehr los außerhalb des Kinderheims als ich gedacht habe.

Ich habe Katzen, Hunde, Vögel und sehr viele Autos gesehen und Mutti musste mich fast den ganzen Tag mit Ihrem Tragegurt tragen, denn das finde ich viel schöner als selber laufen. Wenn ich runter soll mach ich Alarm, außer wenn ich dreimal am Tag auf dem Topf gehe und vor dem Spiegel sitzen darf, dann ist es OK ohne Tragegurt.

Insgesamt war ich nach den beiden Tagen aber sehr zuversichtlich gestimmt, weil die Nudeln mit Tomatensoße von Papa sehr lecker waren!

Am Montag hatten wir dann im Kinderheim mit allen Kindern und Nannys sowie Mama und Papa eine richtig große Abschiedsfeier bekommen. Es gab lecker Kuchen und Popcorn, die Nannys habe gesungen, getanzt und uns zum Abschluss als neue Familie gesegnet.

Seit Montag Nachmittag sind wir nun zusammen im Guesthouse. Ich habe nun auch mehr Vertrauen, gehe mit Papa spazieren und lasse mich auch mal von ihm auf den Arm nehmen.

Dienstagnachmittag sind wir mit dem lokalen Mitarbeiter von Eltern für Afrika ins äthiopische Amt für Immigration gefahren. Es wurde ein Passbild von mir gemacht. Dass ist, fand ich, nicht wirklich witzig, weil ich von Mamas Arm runter musste. Aber dann wusste die Frau von der Passstelle auch gleich, dass ich meine neue Mama schon sehr gerne habe.

Am Dienstagabend hatte ich auch noch das erste warme Vollbad und den ersten Brauseduschkopf gesehen, das ist kein Witz. Deswegen war ich abends im Restaurant so aufgekratzt, dass ich Mama, Papa und die anderen Gäste ganz schön gerockt habe.

In die deutsche Botschaft fahren wir dann einige Tage später, mit allen Papieren und um mein Visum für Deutschland abzuholen. Wenn alles gut geht fliegen wir dann zu dritt von Addis Ababa nach Frankfurt. Ich bin natürlich schon gespannt auf mein neues Zuhause, obwohl in Addis Ababa auf den Strassen tausend Mal viel mehr los ist.

Ich sage zu Mama „Mami“ und zu Papa „Apapa“, das ist übrigens armharisch und nun drücke beide Daumen, dass alles gut geht mit den Papieren. Denn in Äthiopien, das kann ich Dir sagen, ticken die Uhren anders!

Zum Abschluß möchte ich Dir, auch im Namen von Mama und Papa, noch ausrichten, dass wir Dir sehr dankbar sind für Deine tolle Unterstützung bei meiner Reise in eine neue Welt.

Liebe Grüße aus Addis Ababa