Erfahrungsbericht XI

Nach reiflicher Überlegung haben wir uns im Februar 2008 entschieden ein Kind über Eltern für Afrika zu adoptieren. Wir hatten die Wahl, ob wir aus Mali oder aus Äthiopien adoptieren wollen. Wir entschieden uns für Mali und so begann die Wartezeit. Leider passiert im März 2012 das, was niemand vorhersehen konnte. In Mali brach von einem Tag auf den anderen Bürgerkrieg aus. Bei EfA handelt man schnell. Wir wurden zu einem Treffen nach Augsburg eingeladen, bei dem auch andere Bewerberpaare anwesend waren, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Für uns war klar, dass wir das Adoptionsland wechseln wollten, damit es weitergehen konnte. So wurden neue Papiere zusammengestellt und die Wartezeit ging weiter.

An einem Mittwoch Nachmittag im Juli klingelte auf der Arbeit mein Handy. Frau Fuchs von EfA war dran. Endlich war, nach 29 Monaten Wartezeit voller Höhen und Tiefen, der Kindervorschlag da. Am nächsten Tag fuhren wir nach Augsburg und am Freitag hatten wir den Termin, bei dem wir alles über unser zukünftiges Kind erfahren sollten.  Wir waren total aufgeregt und gespannt was uns erwarten würde.

Es war ein Junge, 5 Monate alt. Die Freude war groß. Da die äthiopischen Gerichtsferien anstanden, mussten wir so schnell wie möglich nach Äthiopien fliegen, damit der 1. Gerichtstermin noch vor den Ferien beantragt werden konnte.

So flogen wir an darauffolgenden Dienstag nach Addis Abeba. Morgens früh kamen wir dort an und mussten feststellen, dass es im Juli längst nicht so warm war wie wir angenommen hatten. Wir wussten zwar dass Regenzeit ist, aber die Temperaturen lagen nur so um die 15 Grad.  Da wir schon um 10 Uhr einen Termin im Kinderheim hatten, schafften wir es nur kurz ins Hotel. Wir wohnten im Hotel Dimitri, da es schwierig war so kurzfristig überhaupt ein Zimmer zu bekommen. Das Hotel war für die paar Tage ok, aber für einen längeren Aufenthalt mit Kind völlig ungeeignet. Um 09:30 h wurden wir von einer EfA Mitarbeiterin abgeholt und zum Kinderheim gefahren. Dort angekommen führte man uns in einen Warteraum. Die ersten Tränchen liefen bereits, als eine Mitarbeiterin des Kinderheims uns den Kleinen brachte. Jetzt liefen auch etwas mehr Tränen, aber das war schnell vorbei. Mein Mann nahm den Kleinen zuerst, damit ich mich etwas beruhigen konnte. Er war putzmunter und bis auf eine abklingende Erkältung gesund. Der Kleine schaute uns mit großen Augen an. Wahrscheinlich wusste er nicht so recht etwas mit den beiden fremden Leuten anzufangen, die bis über beide Ohren strahlten. Er war ganz gelassen. Kam zu mir und zu meinem Mann auf den Arm. Spielte und lachte mit unserer kleinen Stoffgiraffe, die wir als Geschenk mitgebracht hatten und schlief schließlich sogar ein.  Nach ca. 2 Stunden mussten wir uns dann auch schon verabschieden. Schweren Herzens, aber mit der Gewissheit, dass wir ja bald wiederkommen würden, verabschiedeten wir uns.

Am nächsten Morgen wurden wir von einen Taxi, welches die EfA Mitarbeiterin für uns gebucht hatte, am Hotel abgeholt und zum EfA Office gebracht. Der Taxifahrer Ali, zeigte uns ganz stolz ein Fotoalbum mit Fotos von allen Eltern, die er schon gefahren hatte. Nachdem wir alles unterzeichnet hatten, fuhr Ali uns noch zum Yeka Guesthouse. Wir wollten uns das mal anschauen, da wir nur Gutes gehört und gelesen hatten. Es gefiel uns auf Anhieb so gut, dass wir für Oktober ein Zimmer reservieren konnten, obwohl wir ja noch gar keinen Termin hatten. Alle waren sehr freundlich und zuvorkommend. Zufällig trafen wir dort auch andere Eltern, die über EfA adoptiert hatten. So erhielten wir noch einige Tipps für den zweiten Aufenthalt. Wir hatten noch einen Tag ein Addis, bevor wir am Samstag wieder zurückflogen.

Wieder in Deutschland angekommen, begann aufs neue eine Wartezeit. Diesmal auf den Gerichtstermin. Frau Fuchs sagte uns, dass es schon bis Anfang Oktober dauern könnte, bis wir Nachricht bekämen. Umso überraschender für alle Beteiligten, war es dann, dass bereits Mitte September das Telefon klingelte und Frau Fuchs uns die Gerichtstermine nennen konnte. Es sollte der 9. und 23.10.2012 sein. Der erste Termin lief glücklicherweise problemlos ab und so konnten wir die zweite Reise planen. Jetzt wurde es ernst. Kinderkleidung und alles was man für einen längeren Aufenthalt so braucht, wurde besorgt und in 4 großen Koffern verstaut. Am 22.10.2012 landeten wir morgens früh wieder in Addis Abeba. Das Yeka Guesthouse hatte uns einen Fahrer geschickt, so dass wir ohne viel Sucherei schnell ans Ziel kamen.

Am darauffolgenden Nachmittag sollte unser Gerichtstermin sein. Wir trafen uns mit Mr. Awgichew vor dem Gerichtsgebäude. Nach etwa  1 ½ Stunden, wovon die eigentliche Verhandlung nur etwa 10 min dauerte, war es dann geschafft: Wir waren nun offiziell Eltern unseres kleinen Jungen. Natürlich konnten wir es kaum erwarten ihn wiederzusehen. Glücklicherweise war es auch noch nicht so spät, so dass wir noch ins Kinderheim fahren konnten. Dort angekommen führte man uns in den, vom ersten Besuch noch gut in Erinnerung gebliebenen, Guest Room. Nach wenigen Minuten kam dann auch schon jemand mit unserem kleinen Schatz auf dem Arm zu uns. Wir konnten kaum glauben, wie groß er in den drei Monaten geworden war. Wieder beäugte er uns kritisch. Wir durften etwa 2 Stunden mit ihm verbringen, bis wir uns verabschieden mussten.

In den nächsten Tagen konnten ihn wir vormittags immer besuchen. Wir knuddelten und spielten mit ihm und langsam aber sicher gewöhnte er sich sichtlich an uns. Am dritten Tag durften wir unseren Kleinen für einen ganzen Tag mit ins Guesthouse nehmen. Da alles problemlos lief, konnten wir ihn am darauffolgenden Tag bereits komplett zu uns nehmen. Von nun an änderte sich unser Tagesablauf radikal. Wir verbrachten die Tage im Garten des Guesthouses, wo viele andere Adoptivfamilien waren. Auf Decken konnten die Kinder „miteinander“ spielen, und die „Neueltern“ ihre Erfahrungen austauschen. An dieser Stelle sei gesagt, dass sich das Yeka Guesthouse dadurch auszeichnet, dass viele Adoptivfamilien dort sind und man schnell ins Gespräch kommt. So werden die Tage, die man auf die Papiere wartet nicht so lang. Zwei Tage nachdem wir unseren Kleinen mitnehmen durften, kehrten wir noch einmal ins Kinderheim zurück um an der Goodbye-Ceremony teilzunehmen. Und wiedereinmal flossen Tränen.

Nun hieß es wieder warten. Die Geburtsurkunde musste beschafft werden, mit welcher man dann den Pass beantragen konnte. Mit dem Pass konnte schließlich das Visum beschafft werden und so flogen wir nach 3 ½ Wochen wieder nach Hause. Inzwischen hatten wir uns alle gut aneinander gewöhnt und freuten uns auf unsere Familie.

Nach 6 ½ Stunden Flugzeit landeten wir am späten Nachmittag des 14.11. in Frankfurt a.M. Freunde und Familie waren zur Begrüßung angereist. Nach einigen Freudentränen und vielen Umarmungen, bekam unser kleiner Schatz noch einen kleinen Imbiss, bevor wir die letzten 2 Stunden Autofahrt nach Hause antraten. Er war so kaputt, dass er schlief bevor wir das Flughafenparkhaus verlassen hatten. Zu Hause ankommen erwartete uns noch ein kleines Begrüßungskomitee aus meinem Bruder nebst Frau und kleiner Tochter, mit diversen Geschenken. Schließlich ging es dann auch schnell ins Bett.

Wir sind nun etwa 2 Wochen wieder hier und freuen uns jeden Tag über unseren kleinen Mann. Er lernt so schnell und kann jeden Tag etwas Neues. Die ganze Familie freut sich, dass er endlich da ist und alle sind schon gespannt und voller Vorfreude auf das bevorstehende Weihnachtsfest, das wir dieses Jahr zu Dritt feiern werden.