Erfahrungsbericht X

Es ist der 1. September 2010...

Ein warmer und sonniger Tag. Ich spaziere von der Arbeit nach Hause und genieße die Nachmittagssonne. Ich werde es nie vergessen als um 16.24 Uhr mein Handy klingelte und Frau Müller von der EfA dran war. Sie fragte mich, wie es mir ginge und was ich gerade mache. Nichts ahnend antwortete ich ihr und freute mich über ein nettes Gespräch. Und plötzlich sagte Sie mir voller Freude: Wir haben einen Kindervorschlag für Sie. Ich fiel aus allen Wolken und konnte es nicht glauben. Man wartet so lange auf diesen Augenblick und dann ist er doch so überraschend. Es war ein unbeschreibliches Gefühl! Vor Freude musste ich erst einmal weinen. Sie sagte: Sie bekommen einen Sohn. Ich war so aufgewühlt und glücklich nach dem Gespräch, dass ich mich sofort auf den Weg zu meinem Mann machte, der noch arbeitete. Ich wollte mein Glück sofort mit ihm teilen. Mit tausend Gedanken im Kopf kam ich bei ihm an und überbrachte ihm die schöne Nachricht. Wir waren überglücklich! Wir durften endlich Eltern werden!

Zwei Tage später. Der 3. September 2010. Wir sitzen ganz aufgeregt in Frau Müllers Büro in Augsburg. Frau Müller klärt uns über alle Einzelheiten auf. Sie erzählt uns die Geschichte unseres Sohnes.  Wir hören ganz gespannt zu. Wir sind eines der ersten Elternpaare, die nicht aus einem EfA Kinderheim adoptieren wird, sondern aus dem Partnerkinderheim Tikuret, das sich ebenfalls in Addis Abeba befindet. Wir bekommen ganz viele Informationen, die wir für unseren ersten Besuch in Addis brauchen werden. Und dann zeigt uns Frau Müller endlich das erste Foto unseres Sohnes. Und wieder kullern Tränen. Es ist unglaublich, er ist sofort in unserem Herzen! Endlich schaut einen ein kleines Gesichtchen an, das auf uns wartet. Nach unserem Besuch bei der EfA fahren wir selig nach Hause. Wir sind glücklich, total gerührt und haben unendlich viele Gedanken, die geordnet werden müssen.

8. September 2010. Kaum zu glauben, aber heute geht unser erster Flug nach Addis Abeba mit Äthiopien Airlines. Frau Müller hat während der Zeit unserer Reiseorganisation, alle anderen Termine mit dem Tikuret Kinderheim und Mr. Awgichew gemacht. Am 09.09.2010 sollten wir das erste Mal unseren Sohn sehen. Zu unserer Freude war das auch noch unser Hochzeitstag.  Ein größeres Geschenk konnte man uns nicht machen!

Wir landen in Addis. Es ist es schon sehr spät und dunkel. Wir werden von unserem Fahrer abgeholt. Übernachten werden wir im Panorama Hotel. Auf der Fahrt ins Hotel macht man sich trotz der Dunkelheit das erste Bild von Addis. Fremde Gerüche, viele Menschen, man hat den Eindruck, dass ganz Addis zu Fuß unterwegs ist. Mit diesen Eindrücken fallen wir todmüde ins Bett. Erst am nächsten Tag sieht man die Dimension von Addis.  Es ist der 09.09.2010. Wir sind sehr aufgeregt. Heute ist der Tag an dem wir unseren Sohn kennenlernen dürfen!

Wir werden von Ali abgeholt um ins Tikuret Kinderheim zu fahren. Wir haben schon viel über ihn gehört. Sein blaues Taxi hat ein aufgemaltes Kamel. Er kommt nicht alleine, Mulu unsere Betreuerin ist dabei. Beide sind sehr herzlich. Ali hat ein Fotoalbum aller Eltern, die er mit seinem Taxi schon gefahren hat. Er ist sehr stolz drauf und wir haben uns sehr gefreut, als er es uns zeigte!

Und dann ist er da, der Augenblick, den wir nie wieder vergessen werden! Unser Sohn wird von seiner Nanny in den Begegnungsraum hineingetragen. Große Augen schauen uns an. Er ist noch so klein. Ob er spürt, dass wir so lange auf ihn gewartet haben? Als wir ihn in unsere Arme nehmen dürfen, kommen uns wieder die Tränen. Wir spielen mit ihm bis er auf meinen Armen einschläft. Er schaut so selig aus, fühlt sich wohl auf meinem Arm. Als er aufwacht, liegt er auf der Brust meines Mannes und lacht ihn an. Was für ein wunderschönes Lächeln. Nach zwei Stunden kommt der Abschied und am übernächsten Tag auch wieder der Rückflug nach Deutschland. Es ist sehr hart ohne ihn nach Hause zu fliegen und nicht zu wissen, wann man ihn wieder in die Arme schließen kann. Wir fliegen traurig zurück und warten auf die Bekanntgabe der Gerichtstermine. Nach vier Wochen ist es soweit. Wir erfahren, dass der erste Gerichtstermin im November ist und der zweite Termin, bei dem wir vor Ort sein müssen, am 13.12.2010 sein wird. Endlich kann man wieder planen. Wir freuen uns unendlich, dass es bald wieder nach Addis geht. Frau Fuchs versorgt uns in dieser Zeit immer wieder mit Infos zu Größe, Gewicht und dem Befinden unseres Sohnes. Zwei Wochen vor Abflug bekommen wir sogar noch aktuelle Fotos. Unglaublich wie groß er geworden ist. Die Freude wächst von Tag zu Tag, wir können es kaum erwarten.

11.12.2010. Frankfurt am Main. Unser Lufthansa Flug geht pünktlich. Nach 7 Stunden landen wir  wieder in Addis. Irgendwie ist es diesmal wie nach Hause kommen. Nur noch ein Tag und dann ist unser Gerichtstermin. Alles klappt! Alle Unterlagen sind da, wir kommen schnell dran und dürfen zwei Stunden nach unserem Gerichtstermin mit Ali ins Kinderheim fahren um unseren Kleinen in die Arme zu schließen.  Zu wissen, dass man zu dritt nach Hause fliegen darf ist unbeschreiblich. Unser Sohn schläft, als er zu uns gebracht wird. Und unser Herz klopft bis zu Hals. Das hat man bestimmt gehört. Man kann das Gefühl  nicht beschreiben, dass in einem steckt. Wie lange hat man auf diesen Moment gewartet und wie hat man gezittert und sich Sorgen gemacht, ob alles klappt? Und jetzt kommt es einem vor, als ob alles erst gestern passiert ist. Die Zeit ist leider zu kurz, wir dürfen an diesem Tag unseren Kleinen nur zwei Stunden sehen. Die Anbahnungszeit beginnt und die sieht vor, dass wir uns eine Woche lang jeden Tag zwei Stunden kennenlernen dürfen. Am zweiten Tag klappt allerdings alles so gut, dass uns mitgeteilt wird, dass wir unseren Sohn am nächsten Tag schon für mehrere Stunden sehen und auch in unser Hotel mitnehmen dürfen. Uns freut das sehr!  Am letzten Tag der Anbahnungswoche wird für unseren Kleinen von den anderen Kindern im Tikuret Kinderheim eine Abschiedsfeier gemacht. Es werden Kekse und Obst gegessen, viel  gesungen und getanzt. Das ist ein unglaublich emotionaler Augenblick und wieder einmal fließen Tränchen.

Das ist jetzt fast fünf  Monate her. Jetzt erwartet uns jeden Morgen  ein breites Lächeln im Kinderbettchen. Unser Sohn ist, so wie ihn die EfA und die Heimleiterin beschrieben hat: A lovely and sleepy child. Er ist unglaublich herzlich und hat ein bezauberndes Lachen und das spricht natürlich das schönste da da da und bababa. Wir sind froh diesen Weg mit der EfA gegangen zu sein. Jeder Tag  mit unserem kleinen Sonnenschein ist besonders und ein Geschenk!