Beendigung der Kooperation mit dem Land Äthiopien

Aufgrund der Entwicklung in Äthiopien bezüglich internationaler Adoption sehen wir keine  Grundlage einer guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit mehr. Nach gründlicher Überlegung und Abwägung aller Aspekte sahen wir uns deshalb gezwungen unsere Zulassung für Äthiopien an das dortige Ministerium zurückzugeben. Aus ethischen und moralischen Gründen sowie aus der Verantwortung gegenüber dem Verein beenden wir die Kooperation mit dem Land Äthiopien mit Wirkung zum 31.08.2015.

Adoption in Äthiopien

Viele Paare wünschen sich die Adoption eines Kindes und es ist eine gute Möglichkeit für ein Kind, seine Persönlichkeit in einer liebe- und verständnisvollen Familie entfalten zu können.

Grundsätzlich hat jedes Kind zuerst das Recht in seiner Ursprungsfamilie aufzuwachsen. Ist dies trotz unterstützender staatlicher Maßnahmen nicht möglich, wird nach einer geeigneten Pflege- oder Adoptivfamilie im Herkunftsland des Kindes gesucht. Kann keine passende Versorgung für das Kind in seinem Ursprungsland gefunden werden, dann kann das Kind über den Weg der Internationalen Adoption eine Familie finden. Für diese Internationalen Adoptionen ist das "Übereinkommen über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption" (sog. Haager Übereinkommen vom 29. Mai 1993) maßgebend.

Deutschland hat das Abkommen am 01.03.2002 ratifiziert. Auch im Ausland müssen die Rechte des Kindes und der Familien sichergestellt sein. Die Behörden im Heimatstaat klären, ob die internationale Adoption dem Kind in seiner persönlichen Situation geeignete Lebensperspektiven eröffnet. Die Vermittlung eines Kindes zur Adoption ins Ausland ist die letzte mögliche Maßnahme, wenn das Kind in seiner Ursprungsfamilie nicht verbleiben kann, oder eine geeignete Adoptiv- oder Pflegefamilie im Heimatland nicht zu finden ist.

Adoptionsvermittlung

Eine Fachstelle für Internationale Adoptionen kann nur dann Adoptionen vermitteln, wenn sie durch das zuständige Landesjugendamt geprüft und staatlich anerkannt wurde.

Eltern für Afrika e.V. hat die staatliche Zulassung durch das bayerische Landesjugendamt am 13.03.06 erhalten.

Äthiopien ist der Haager Konvention über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption (HAÜ) noch nicht beigetreten. Da Äthiopien kein Vertragsstaat des HAÜ ist, fehlt in Äthiopien der vom HAÜ festgelegte organisatorische und administrative Unterbau für die Adoptionsvermittlung.

Dies hat zur Folge, dass die Bedeutung einer engen Kooperation mit einem zuverlässigen Partner vor Ort sehr hoch ist.

Seit 2006 unterhält Eltern für Afrika e.V. deshalb eine Zweigstelle in Addis Abeba, die vor Ort mit den zuständigen Behörden zusammenarbeitet und das äthiopische Adoptionsverfahren vorbereitet und koordiniert.

Phase I

Information und Beratung

Zunächst findet ein persönliches Beratungs- und Informationsgespräch mit einer sozialpädagogischen Fachkraft in unseren Büroräumen in Augsburg statt. Es dient dem gegenseitigen Kennenlernen, der individuellen Beratung und bietet einen ersten Eindruck im Hinblick auf die Abläufe in Deutschland und in den jeweiligen Ländern. Inhalte des Gesprächs sind konkrete Informationen über die Voraussetzungen, die Verfahrensschritte im In- und Ausland, die besondere Situation der Kinder sowie detaillierte Erläuterungen zu den Formularen und Kosten. Zusätzlich erhalten alle Interessenten umfangreiches Informationsmaterial.

Die Kosten für das Informationsgespräch betragen 150,- Euro pro Bewerberpaar.

Haben sich die Interessierten nach der Phase I entschlossen, über Eltern für Afrika e.V. ein Kind adoptieren zu wollen, sind weitere Gespräche zur Vorbereitung und Eingungsüberprüfung erforderlich, die in Phase II stattfinden.


Phase II

Vorbereitung / Sozialpädagogische Bewertung

Die Paare können wählen, ob der Sozialbeicht (=Eignungsfeststellung) von unserer Fachstelle Eltern für Afrika e.V. oder vom örtlich zuständigen Jugendamt erstellt werden soll:
- Bei der Entscheidung der Adoptionsbewerber, den Sozialbericht von Eltern für Afrika e.V. erstellen zu lassen, finden vier weitere Gespräche, davon ein Hausbesuch statt. Am Ende der Phase II wird die Eignung der Bewerber in einem Gremium von mindestens 2 Fachkräften bewertet und der Sozialbericht verfasst. Die Erstellung des Sozialberichtes bei Eltern für Afrika e.V. kostet 1.550 €.
- Wenn der Sozialbericht vom Jugendamt geschrieben wurde, sendet das Jugendamt den Bericht zu uns. Im Anschluss finden noch zwei weitere Gespräche zur Vorbereitung auf das  Länderverfahren und die Aufnahme eines afrikanischen Kindes in unserer Fachstelle statt. Darüber verfassen wir eine Stellungnahme, die dem Sozialbericht angefügt werden muss.

In dem Zeitraum der Erstellung des Sozialberichts ist die Teilnahme beider Bewerber an einem eintägigen Vorbereitungsseminar bei Eltern für Afrika e.V. verbindlich. Die Termine des Vorbereitungsseminars finden Sie unter „Aktuell“. Die Kosten dafür betragen 100.- € pro Teilnehmer.

Die letzte Verantwortung für die Annahme einer Bewerbung und Vermittlung eines Kindes liegt bei Eltern für Afrika e.V. Wir prüfen vor allem die besondere Eignung der Bewerber für die Annahme eines afrikanischen Kindes.

Den Sozialbericht oder unsere positive Stellungnahme in Verbindung mit dem vom Jugendamt verfassten Sozialbericht  legen wir dem Landesjugendamt und dem örtlich zuständigen Jugendamt vor. Liegen auch von Seiten der einbezogenen Behörden keine Bedenken gegen die Annahme eines Kindes durch die Bewerber vor, können Sie grundlegend mit der Vermittlung eines Kindes rechnen.

Die Wartezeit bis zur Vermittlung hängt individuell vom Kinderprofil der Bewerber und von den aktuell in den Kinderheimen in Äthiopien nach Eltern suchenden Kindern ab.


Phase III

Durchführung der Adoption

Liegt für ein Kind die Freigabe zur Internationalen Adoption durch das Sozialministerium des Herkunftslandes vor, erhält die Fachstelle alle vorhandenen Unterlagen (z.B. Lebensbericht mit biographischen Daten, medizinischer Bericht, Fotografien). Die Fachstelle leitet die Kinderunterlagen an die zuständigen örtlichen weiter. Erst nach der Beteiligung der Jugendämter werden die Bewerber über den Kindervorschlag in einem persönlichen Gespräch in unserer Fachstelle informiert.
Haben die Bewerber den Vorschlag in Deutschland angenommen bedeutet dies, dass die zukünftigen Elternpaare zum 1. Kennenlernen des Kindes nach Äthiopien reisen und das Kind im jeweiligen Kinderheim kennenlernen. 

Während des gesamten Aufenthaltes im Land werden die zukünftigen Eltern von unseren äthiopischen Mitarbeitern begleitet, unterstützt und betreut.

Nach dem persönlichen Kennenlernen des Kindes im Land stimmen die zukünftigen Eltern dem Kindervorschlag nochmals zu und im Anschluß beantragen unsere Mitarbeiter den Gerichtstermin, der nach ca. 10-12 Wochen stattfindet. Nach dem Kennenlernen können die Bewerber wieder nach Deutschland fliegen.

Bei der zweiten Reise können Sie direkt nach der Ankunft in Addis den Gerichtstermin wahrnehmen, bei dem neben den Bewerbern auch einer unserer äthiopischen Mitarbeiter anwesend ist. Im Anschluß an den Gerichtstermin beginnen die Adoptiveltern mit der Anbahnung im Kinderheim.

Je nach Alter des Kindes findet eine unterschiedlich dauernde Anbahnungsphase zwischen Kind und Eltern statt. Dieser Übergang wird von unseren Mitarbeitern begleitet und muss einfühlsam, weich und ganz individuell gestaltet werden. Nach diesem Zeitraum nehmen die Eltern ihr Kind mit zu sich ins Gästehaus/Hotel.

Dadurch ergeben sich insgesamt zwei Reisen nach Äthiopien.
Für die erste Reise benötigen Sie ca. 5-8 Tage, für die zweite Reise sollten 3-4 Wochen eingeplant werden.

Vor der Ausreise aus Äthiopien müssen die Eltern mit dem Kind zur Deutschen Botschaft in Addis gehen, um für das Kind ein Visum für die Einreise nach Deutschland zu beantragen und abzuholen. Vorbereitungen dafür werden schon nach der Annahme des Kindervorschlags in Deutschland getroffen, indem Sie Kontakt zum örtlich zuständigen Ausländeramt aufnehmen.

Nach der erfolgten Adoption im Herkunftsland ist die Anerkennung und Umwandlung der Adoption in Deutschland zu beantragen. Mit diesem letzten juristischen Schritt erhält das Kind die deutsche Staatsbürgerschaft.

Nach 6 und 12 Monaten und danach jährlich bis zum 15. Lebensjahr sind Berichte über das Kind zu erstellen, die von unserer Fachstelle an das Ministry of Women Affairs in Addis Abeba weitergeleitet werden.